Die Flamingos  

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Rainer Maria Rilke  (1875-1926):

 

Die Flamingos

Jardin de Plantes, Paris

In Spiegelbildern wie von Fragonard
ist doch von ihrem Weiß und ihrer Röte
nicht mehr gegeben, als dir einer bäte,
wenn er von seiner Freundin sagt: sie war

noch sanft von Schlaf. Denn steigen sie ins Grüne
und stehn, auf rosa Stielen leicht gedreht,
beisammen, blühend, wie in einem Beet,
verführen sie verführender als Phyrne

sich selber; bis sie ihres Auges Bleiche
hinhalsend bergen un der eignen Weiche,
in welcher Schwarz und Fruchtrot sich versteckt.

Auf einmal kreischt ein Neid durch die Volière;
sie aber haben sich erstaunt gestreckt
und schreiten einzeln ins Imaginäre.


Rainer Maria Rilke, Herbst 1907, Paris, oder Frühling 1908, Capri

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