Vor einer Kerze  

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           Paul Celan (1920-1970)

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Aus getriebenem Golde, so
wie du's mir anbefahlst, Mutter,
formt ich den Leuchter, daraus
sie empor mir dunkelt inmitten
splitternder Stunden:
deines
Totseins Tochter.

Schlank von Gestalt,
ein schmaler, mandeläugiger Schatten,
Mund und Geschlecht
umtanzt von Schlummergetier,
entschwebt sie dem klaffenden Golde,
steigt sie hinan
zum Scheitel des Jetzt.

Mit nachtverhangnen
Lippen
sprech ich den Segen:

     Im Namen der Drei,
     die einander befehden, bis
     der Himmel hinabtaucht ins Grab der Gefühle,
     im Namen der Drei, deren Ringe
     am Finger mir glänzen, sooft
     ich den Bäumen im Abgrund das Haar lös,
     auf daß die Tiefe durchrauscht sei von reicherer Flut –,
     im Namen des ersten der Drei,
     der aufschrie,
     als es zu leben galt dort, wo vor ihm sein Wort schon gewesen,
     im Namen des zweiten, der zusah und weinte,
     im Namen des dritten, der weiße
     Steine häuft in der Mitte, –
     sprech ich dich frei
     vom Amen, das uns übertäubt,
     vom eisigen Licht, das es säumt,
     da, wo es turmhoch ins Meer tritt,
     da, wo die graue, die Taube
     aufpickt die Namen
     diesseits und jenseits des Sterbens:
     Du bleibst, du bleibst, du bleibst
     einer Toten Kind,
     geweiht dem Nein meiner Sehnsucht,
     vermählt einer Schrunde der Zeit,
     vor die mich das Mutterwort führte,
     auf daß ein einziges Mal
     erzittre die Hand,
     die je und je mir ans Herz greift!

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